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Rechtslenker in Deutschland

Einmal fahren wie die Queen – das wünschen sich so einige Fans des britischen Königshauses. Das Oberhaupt der Adelsfamilie, Königin Elisabeth II. wird standesgemäß in einer Luxuskarosse zu Staatsanlässen gefahren. Die „Bentley State Limousine“ wurde extra für das Oberhaupt des Commonwealth of Nations entwickelt und lediglich zweimal gefertigt: Ein Einsatzfahrzeug, ein Ersatzfahrzeug. Die 2002 ausgelieferte Kleinserie basiert dabei auf dem Bentley Arnage, der von 1998 bis 2010 produziert wurde. Für dieses britische Fahrzeug der Oberklasse muss man (je nach Zustand) mit Preisen jenseits der 30.000€ Marke rechnen. Ein stolzer Preis für nahezu königliches Flair. Während die Queen in der Bentley State Limousine im Fond unter einem Panoramadach Platz nimmt, fährt sie gelegentlich aber auch selbst. So wurde Sie beispielsweise mehrfach hinter dem Steuer des Land Rover Auhängeschildes „Defender“ gesehen. Im Gegensatz zum Bentley ist diese Marke auf deutschen Straßen etwas etablierter. Wenn man dem britischen Feeling aber wirklich nahe kommen will, so benötigt man ein Original aus dem United Kingdom – einen Rechtslenker.

 

Zulassung von Rechtslenkern

Bekommt ein waschechter Brite in Deutschland überhaupt eine Zulassung? Dass das Steuerrad auf der jeweils rechten oder linken Seite zu finden ist, ist schließlich kein Zufall. Während in Deutschland und dem Großteil der restlichen Welt Rechtsverkehr gilt, ist im United Kingdom und Staaten, die ehemals unter starkem britischen Einfluss standen, Linksverkehr angesagt. In Staaten mit Rechtsverkehr werden die Fahrzeuge mit dem Steuerrad auf der linken, in Staaten mir Linksverkehr mit dem Steuerrad auf der rechten Seite hergestellt. Die Zulassung von Rechtslenkern stellt in Deutschland, sowie in vielen anderen Ländern auf dem europäischen Festland, kein Problem dar. Vorab könnten aber technische Änderungen notwendig werden. Häufig müssen die Frontscheinwerfer abgeändert werden, da deren Streuscheiben darauf ausgelegt sind, den Fahrbahnrand auszuleuchten – bei der Nutzung von Rechtslenkern im Rechtsverkehr würde man dabei primär die Fahrbahnmitte beleuchten und den Gegenverkehr massiv blenden, was zu einer Verkehrsgefährdung führen würde. Moderne Fahrzeuge können diesen Vorgang teilweise auf Knopfdruck durchführen, es geht aber in der Regel Leuchtleistung verloren, daher sind diese Behelfsmaßnahmen eher für den kurzen Urlaub im jeweils anders lenkenden Land zu empfehlen. Auch die Heckscheinwerfer müssen sich einer Überprüfung unterziehen, da Nebelschlussleuchten entweder mittig am Fahrzeug (bedürfte keines Umbaus) oder versetzt am zur Fahrbahnmitte gelegenen Rand montiert sind, was umgekehrt sonst eher zum Fahrbahnrand werden würde. Im Idealfall (und das ist der Regelfall) liegt für das Fahrzeug bereits eine EU-Typengenehmigung (COC) vor, welche sich gegen eine Gebühr direkt beim Hersteller anfordern lässt. Unabhängig davon bedarf die Zulassung einer Abnahme durch eine anerkannte Prüfstelle (TÜV, DEKRA).

 

Sicherheit von Rechtslenkern im Rechtsverkehr

Überraschenderweise sind die Versicherungsbeiträge für Rechtslenker in Deutschland nicht höher als bei herkömmlichen Linkslenkern. Wie lässt sich dies erklären?

Trotz der gefährlichen Umstellung durch den Fahrersitzwechsel und die damit einhergehende Umstellung der dominanten Hand verzeichnen Rechtslenker in Deutschland kein höheres Unfallrisiko. Im Gegenteil: Rechtslenker sind signifikant seltener an schweren Unfällen beteiligt als ihre linkslenkenden Pendants. Der Ursprung dieser statistisch höheren Sicherheit wird in der durch den Fahrer wahrgenommen Unsicherheit vermutet. Durch die eingeschränkten Sichtverhältnisse und das Gefühl, sich außerhalb der Norm und der Gewohnheit zu bewegen, sorgt möglicherweise für einen vorsichtigeren Fahrstil. Man neigt weniger zu riskanten Überholmanövern oder überhöhten Geschwindigkeiten. Während der Effekt in Deutschland durch die geringe Stückzahl an Rechtslenkern kaum messbar ist, kann dieses Phänomen in Großbritannien, wo ein relativ großer Prozentsatz an Fahrzeugen aus dem europäischen Festland importiert wurde und somit von links gesteuert wird, eindeutig nachgewiesen werden.

Die Zulassung ist also kein Problem, Sicherheitsbedenken spielen statistisch gesehen auch keine Rolle: Es fehlt also lediglich das passende Fahrzeug – und das nötige Kleingeld.